Europa-Sprachwissenschaftler tagen

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An der Volkshochschule Donauwörth fand die nunmehr zweite internationale Tagung zur Europa-Sprachforschung statt. Organisiert hatte sie Dr. Joachim Grzega, Leiter des Vhs-Projektbereichs „Innovative Europäische Sprachlehre (InES)“ und außerplanmäßiger Professor an der Universität Eichstätt. Da Grzega schon seit vielen Wert darauf legt, sprachbezogene Forschungsergebnisse auch einem breiten Publikum zugänglich zu machen, hatte er einen Teil der Tagung für den Austausch mit der breiten Öffentlichkeit vorgesehen – und was von dieser absolut goutiert wurde.




Die Forschungsergebnisse wurden zuerst in allgemeinverständlicher Form kurz zusammengefasst. Danach wurden Fragen aus dem Publikum zugelassen. Beiträge wurden jeweils so übersetzt, dass das Publikum und die Vortragenden sich austauschen konnten.

Grzega selbst, hauptamtlich-pädagogischer Mitarbeiter der Vhs Donauwörth, hatte über den Zusammenhang zwischen Sprache und Frieden gesprochen und verwies auf sein vor Kurzem erschienenes Buch „Wort-Waffen abschaffen!“. Prof. Dr. Magdalena Szulc (Lublin) bot per Skype-Zuschaltung einen Sprachvergleich zum Patriotismus-Begriff und zeigte etwa, dass dieser im Zusammenhang mit wirtschaftlichen Aspekten im Deutschen als negativ, im Polnischen dagegen als positiv gesehen wird.

Dr. Bea Klüsener (Wuppertal/Eichstätt) machte deutlich, dass der Frankenstein-Roman nicht nur ein Schauerroman ist, sondern auch als Europa-relevanter politischer Text gelesen werden kann. Hier geht es nämlich auch um Menschenrechte, Sklavenhaltertum, ethische Grundhaltung. Vhs-Geschäftsführerin Gudrun Reißer fasste sicherlich die Meinung des Publikums zusammen, als sie meinte: „Diese Aspekte waren mir völlig neu und hochinteressant.“

Prof. Dr. Laura Ferrarotti (Rom) beschrieb, dass britische Universitätswebseiten eher Marketingtexte als Informationstexte sind und englischsprachige Webseiten italienischer Universitäten auf dem Weg dorthin sind. Mag. Martina Mayer (Innsbruck) brachte das Publikum zum Aufspüren und Erklären von Übersetzungsfehlern und veranschaulichte dabei, dass Übersetzer nicht nur über Sprachwissen, sondern auch Kulturwissen verfügen müssen. Klar machte sie ebenso das Trennende zwischen Übersetzer („Hand-Arbeit“) und Dolmetscher („Mund-Arbeit“)

Prof. Dr. Andrea Remenyi (Budapest) deckte auf, dass Langzeitaustauschprogramme von fertigen Lehrkräften nicht wahrgenommen werden und Auslandslehrerfahrung daher früher vorgesehen und professionell begleitet werden müssten. Dr. Michael Lynch (Edinburgh) unterstrich für den Fremdsprachenunterricht, dass statt eines rein einsprachigen Ansatzes ein wohlüberlegtes Zusammenspiel von Ziel- und Muttersprache besser sei, wie dies auch bei Grzegas Modellen im InES-Projekt geschieht.

Prof. Dr. Rosa Calafat (Palma de Mallorca) demonstrierte am Beispiel des Katalanischen, dass die Lebendigkeit einer Minderheitensprache nicht von Sprecherzahl, Sprachsystem oder geschichtlicher Bedeutung abhänge, sondern vom augenblicklichen politischen Willen. Prof. Dr. Wolfgang Pöckl (Innsbruck) machte abschließend deutlich, wie wir uns heute mehr als früher darum bemühen, fremde Namen originalsprachengetreu auszusprechen und sprach sich dafür aus, dass jeder Mensch auch so angesprochen werden sollte, wie er möchte.

Das Publikum war von der Vielfalt der Themen und dem mehrsprachigen Flair sichtlich angetan. Die Akademiker*innen wiederum bescheinigten am Ende, dass sie ein solches Format „noch nirgendwo anders erlebt“ hätten und es sie sehr beeindruckt habe.

Eröffnet worden war die dreitägige Tagung übrigens von Oberbürgermeister Armin Neudert und Vhs-Geschäftsführerin Gudrun Reißer, die den Sprachwissenschaftlern „gute Gespräche“ wünschten.


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