Erwachsenenbildung kein Selbstläufer

ao 4. April 2014

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„Was kümmert mich die Vergangenheit. In der Zukunft gedenke ich zu leben.“ Dieser Satz stammt von dem Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein. Aber bei den Kuratoriumssitzungen der Volkshochschule Donauwörth ist es gelebte Tradition, zurück zu schauen und einen Rechenschaftsbericht über ein langes Weiterbildungsjahr zu geben. Und dies wird auch bei der nunmehr 66. Mitgliederversammlung seit Gründung unserer Erwachsenenbildungseinrichtung im Jahre 1948 nicht anders sein, sagte Vorsitzender Paul Soldner. Niemand kann sich heute mehr darauf verlassen, dass die in Schule, Hochschule und Beruf erworbene Bildung lebenslang ausreicht. Deshalb kommt dem Weiterbildungsangebot der Volkshochschulen eine immer größere Bedeutung zu, betonte Vhs-Geschäftsführerin Gudrun Reißer in ihren Ausführungen. Beide dankten auch den Leitern/innen der sieben Außenstellen für ihr Engagement.




Wissen permanent zu erweitern, ist heute selbstverständlich. Gezielt in die Bildung und in die Weiterbildung in allen Variationen zu investieren ist der Schlüssel zum Erfolg, damit Nordschwaben in der Erfolgsspur bleibt. Gefragt sind in der Wirtschaft Fachkräfte, die eine qualifizierte Ausbildung vorweisen können und ihre Kenntnisse konsequent weiterentwickeln. Die Volkshochschulen sind die einzigen kommunal verankerten Weiterbildungsanbieter mit einem umfassenden Angebot aus den Bereichen, berufliche Weiterbildung und Sprachen, Gesellschaft und Kultur, Bewegung und gesunde Lebensweise sowie Junge Vhs, die Bildungsmöglichkeiten und Lerninteressen möglichst vieler Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und/oder Altersstufen berücksichtigen, Kooperationen mit anderen Institutionen des lebenslangen Lernens pflegen und dadurch die Kommune als Lebens- und Wirtschaftsstandort fördern. Wir, die Volkshochschule Donauwörth mit den sieben Außenstellen, möchten zur Befriedigung der vielschichtigen Bedürfnisse des Menschen einen gewichtigen Beitrag leisten. „Erwachsenenbildungseinrichtungen sollten daher immer ein Kernstück kommunaler Kulturpolitik sein“, so Ehrenvorsitzender Konrad Böswald.

In seinem Rückblick sagte Vorsitzender Paul Soldner: „Wie alle Bildungsträger in der Region bemerken wir die blendenden Arbeitsmarktzahlen, die das Interesse der Menschen an Weiterqualifizierung bremst. Für uns in Donauwörth ist mittlerweile deutlich spürbar das Aus für den hiesigen Bundeswehrstandort.“ Viele der Soldaten und/oder ihre Angehörigen haben früher Kurse bei der Vhs gebucht. Soldner: „Dieser Verlust ist durch nichts zu kompensieren. Daher gilt: Erwachsenenbildung ist kein Selbstläufer.“ Die berufsbegleitenden Angebote bleiben gefragt – in nahezu jedem Seminar sitzen Fachkräfte von Firmen der Region – allerdings auf einem niederen Teilnehmer-Niveau.

Ganz extrem zugenommen haben dagegen durch das neue Haus im Spindeltal der zeitliche Beratungsumfang und der Service für die Kunden – Kurse finden mittlerweile nicht nur am Samstag, sondern auch am Sonntagnachmittag statt. „Gerade für Neubürger und Migranten sind wir erste Anlaufstelle geworden. Im Regelfall können wir helfen – weil unsere Mitarbeiterinnen hier vor Ort neben Englisch auch Französisch und Italienisch beherrschen,“ betont Vhs-Geschäftsführerin Gudrun Reißer. Angesichts des Fachkräftemangels müsse man aber auch verstärkt auf Menschen zugehen, die niedrig qualifiziert und damit einen Grundbildungsbedarf haben sowie auf Migranten, die hier Arbeit und eine neue Heimat finden: „Gelingende Integration von Zuwanderern ist nicht nur eine soziale, sondern eine wirtschafts- und arbeitsmarktpolitische Notwendigkeit.“ Sie richtete daher einen Appell an die örtlichen Behörden und Verantwortungsträger an Schulen und in Verbänden: „Nehmen Sie unser Seminarangebot ‚Interkulturelle Kompetenz im beruflichen Alltag‘ in Anspruch, um Ihre Mitarbeiter/innen für den Umgang mit Menschen aus anderen Kulturkreisen zu qualifizieren. Guter Wille und Toleranz reichen nicht aus.“ Das Landratsamt Donau-Ries gehe hier übrigens mit bestem Beispiel voran…

Einige neue Kooperationspartner konnte man gewinnen: von Stadtbibliothek Donauwörth, Lebenshilfe Donau-Ries (Inklusionsprojekt), Technische Hochschule Ulm oder Donau-Ries-Klinik Donauwörth und Nördlingen bis Waldbesitzervereinigung Kaisheim. Grundsätzlich gelte, „wegen des rasanten technologischen Wandels stehen wir – Zentrale wie die sieben Außenstellen – fortlaufend unter einem Ideen- wie Investitionsdruck. Um Erfolg für unsere Vhs zu erzielen, haben wir zwei Instrumente: mittels Sicherung des Bewährten – Stichworte hier unsere „klassischen“ technischen Kurse wie Schweißen, SPS oder CNC- und CAD-Zertifikate – und mit notwendigen neuen Bildungsprodukten.“

Es erweise sich einmal mehr als positiv, so Gudrun Reißer, „dass wir das einzig anerkannte Prüfungskompetenzzentrum für Sprachen zwischen Nürnberg und Augsburg sind. Unsere Teilnehmer wissen, wir lehren nach dem europäischen Referenzrahmen GER, der vorgibt, was Lerner/innen auf sechs verschiedenen Niveaustufen ausdrücken und verstehen können.“ Um junge Dozenten auf Spitzenniveau zu gewinnen, die zum Präsenzunterricht auch online-gestütztes Lernen ermöglichen, hat sich die neue Kooperation mit dem Europäischen Haus Pappenheim und Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Gzrega als sehr positiv erwiesen.

Besonders stolz sei man darauf, „dass wir als Pilotvolkshochschule in Deutschland erstmals ‚Deutsch für ausländische Mediziner‘ an der Donau-Ries-Klinik mit einer europaweit zertifizierten Dozentin anbieten dürfen.“ Gleichzeitig absolvierte ein erfahrener Dozent eine umfangreiche Schulung für den Bereich Alphabetisierung und Grundbildung Erwachsener – Start ist im Herbstsemester. Im Ausblick nannte Vhs-Geschäftsführerin Reißer ferner die Realisierung des „Demokratieführerschein für junge Menschen mit und ohne Behinderung“ – ein Projekt der deutschen Volkshochschulen und dem Bundesfamilienministerium. Konkret: „Eine Gruppe junger Menschen mit und ohne Behinderung soll sich auf ein kommunales Anliegen einigen und sich darum bemühen, dieses vor Ort umzusetzen.“

Kuratoriumsvorsitzender OB Armin Neudert dankte den Vhs-Verantwortlichen für die geleistete Arbeit: „Es ist sowohl Quantität und Qualität im Programm gegeben.“ Dafür, dass Geschäftsführerin Gudrun Reißer immer wieder viel Kreativität gepaart mit hoher Leistungsbereitschaft einbringe, sagte er ihr ein besonderes Dankeschön. Er wisse, die Volkshochschule werde geschätzt. Auch Kuratoriumsmitglied Rektor Werner Freißler betonte den wichtigen Beitrag der Volkshochschule für die Menschen in der Region…


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