Demokratieführerschein

ao 30. November 2014

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Es ist ein deutschlandweites Modellprojekt, das die Vhs Donauwörth realisierte: Einen sogenannten Demokratieführerschein für junge Menschen mit und ohne Behinderung. Dabei geht es darum, dass sich die Gruppe auf ein kommunalpolitisches Anliegen einigt und sich bemüht, dieses umzusetzen. Neun junge Frauen und Männer mit und ohne Behinderung im Alter zwischen 14 und 25 Jahren signalisierten ihre Grundbereitschaft zum Mitdenken und Mitmachen. Nach insgesamt sechs Terminen (sowie dem Besuch einer Sitzung des Donauwörther Stadtrates)mit viel Theorie aber auch jeder Menge praktischen Beispielen rund um das Thema Kommunalpolitik wurde ein gemeinsames Ziel formuliert: In der Großen Kreisstadt statt soll ein künftig „Notinseln“ geben, Orte, wo Kinder und Jugendliche Hilfe und Unterstützung bekommen können.




Jugendliche in Deutschland interessieren sich einer Studie zufolge anscheinend immer weniger für Politik. Auch wüssten sie zu wenig über Geschichte und Kultur, wird geklagt. Auf der anderen Seite seien sie trotzdem bereit, sich an politischen Aktivitäten zu beteiligen – dann, wenn ihnen eine Sache persönlich wichtig ist. So geschehen jetzt beim Angebot „Demokratieführerschein“ der Vhs Donauwörth. Dies wurde gar zu einem deutschlandweiten Modellprojekt entwickelt, denn in der Seminarreihe arbeiteten erstmals „junge Menschen mit und ohne Behinderung“ an einem gemeinsamen Ergebnis. Mit ein Ziel war hierbei, den Blick der Jugendlichen für ein erweitertes Verständnis von politischem Interesse zu öffnen.

Um gerade jungen Menschen Kommunalpolitik näher zu bringen, wurde das Konzept des „Demokratieführerscheins“ 2009 vom Deutschen Volkshochschulverband angeregt. Es sieht vor, dass Jugendliche und junge Erwachsene darin unterstützt und angeleitet werden, ihre politischen Anliegen nicht nur zu erkennen, sondern auch zu artikulieren und möglichst zu realisieren.

Bisher nicht eingebunden waren in diesen Projekten indes Menschen, die mit einer Behinderung leben. Dies wurde nun im Modellprojekt der Volkshochschule Donauwörth (sowie zeitgleich bei der Vhs Gütersloh) geändert. Neun junge Frauen und Männer mit und ohne Behinderung im Alter zwischen 15 und 25 Jahren signalisierten ihre Grundbereitschaft zum Mitdenken und Mitmachen. Vhs-Geschäftsführerin Gudrun Reißer: „Wichtig bei der Umsetzung für uns war, dass wir den Kreisjugendring Donau-Ries mit Projektstelle Inklusion, die Stadtjugendpflege Donauwörth und die Lebenshilfe Donau-Ries mit an Bord nehmen konnten.“

In sechs Terminen, jeweils an Samstagen, wurde in Theorie und Praxis Geschichtliches, politisches ABC sowie die Arbeitsweise eines Stadtrates und seiner Gremien erläutert. Aber auch jede Menge Erfahrung gesammelt wurde beim Rollstuhlbasketball, beim Umgang mit der Gebärdensprache oder wie es sich anfühlt, wenn man sich plötzlich als „Blinder“ zurechtfinden muss. Vertraut gemacht wurden die jungen Leute ferner damit, wie man aus der Fülle von Nachrichten Wesentliches herausfiltert. Facebook-Postings und Twitternachrichten bieten ja nur Häppchen, Ausschnitte, in der Regel jedoch keine wirklichen Hintergrundinformationen. Spielerisch gelernt wurde richtiges Verhandeln, formulieren eines Antrages, und, und, und.

Gudrun Reißer ist dankbar, dass ein professionelles Referententeam gewonnen werden konnte: Bürgermeister Jörg Fischer, Günter Schwender (Stadtrat, Geschäftsführer Lebenshilfe), Veronika Lechner (Lebenshilfe), Thomas Krepkowski (Stadtrat, Vorsitzender Kreisjugendring), Paul Soldner (Journalist, Vhs-Vorsitzender)und Daniela Benkert (Stadtjugendpflege).

Auf dem Programm stand der Besuch einer Sitzung des Donauwörther Stadtrates. Wie das dort ablaufen könnte, war zuvor in einem Planspiel simuliert worden, an dem neben den Jugendlichen „echte“ Stadträte/innen (Barbara Kandler, Jonathan Schädle) mitwirkten. Zu diesem Zeitpunkt stand bereits das gemeinsam gefundene Ziel fest, das man gerne in der Großen Kreisstadt umgesetzt sehen möchte: ein Projekt, das sich „Notinsel“ nennt. Dabei handelt es sich um eine Idee der Stiftung Hänsel + Gretel bei der Kindern und Jugendlichen sichere Orte (z. B. Fachgeschäfte, Banken, Apotheken, Supermärkte) angezeigt werden, an denen sie in Notsituationen Hilfe finden können.

Stellvertretend für die Gruppe mögen die Bemerkungen von Lars Beck und Lydia Haller gelten: „Wir haben nicht nur viel Wissenswertes erfahren, sondern das Projekt hat uns auch wirklich Spaß gemacht.“ Dass ihr Projekt Realität wird, daran will Daniela Benkert mit Unterstützung der Jugendlichen weiter arbeiten. Einen Brief hat sie in deren Namen bereits an OB Armin Neudert und CID-Vorsitzenden Felix Späth weiter geleitet.

Vhs-Vorsitzender Paul Soldner bilanziert das gemeinsame Tun von Menschen mit und ohne Behinderung so: „Es ging uns auch darum, dem anderen nicht nur mit Toleranz, sondern mit Respekt zu begegnen. Wenn man nämlich den anderen auf der Straße im Rollstuhl trifft, sollte man sich immer klar machen: der könnte ich selber sein. Nur ein Zufall hat es anders gewollt…“


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